Donnerstag, 21. April 2011

Die Diskriminierung Jugendlicher

Dies ist ein Nachtrag zum vorherigen Post. Eigentlich sollter dies ein Kommentar werden, wurde aber dafür zu lang und zu wichtig.

Ich habe versucht wissenschaftliche Texte zu finden die sich mit der Diskriminierung der Jugendlichen unter 18 Jahren beschäftigen wurde aber nicht fündig. Anscheinend gibt es dieses Thema in der Wissenschaft so gut wie nicht.

Meine Erkenntnis, dass unsere Gesellschaft widersinnigerweise Erwachsene unter 18 Jahren diskriminiert stammt aus einer "ZDF-sonntags" Sendung (mit Gert Scobel) vom 27.2. dieses Jahres. Ein geladener wissenschaftlicher Gast warf dort dieses Argument in die Runde.

Wer sich einmal mit dem Gedanken einer generellen Diskriminierung der Jugend auseinandergesetzt hat kann diese plötzlich überall entdecken, ich persönlich auch in meiner Jugend.

Das ist eine wahre Fundgrube für den Hobbyanthropologen. Gerade das Thema Computerspiele zeigt mit welcher Arroganz wir uns herausnehmen das Leben junger Menschen bestimmen zu wollen.

Wir "Erwachsene" wollen dies natürlich nicht wahr haben. Schliesslich gehören halbstarke Jungs und frühreife Gören zu den wahrscheinlich dümmsten Erscheinungsformen menschlichen Lebens und müssen vor den Auswirkungen dieser Dummheit geschützt werden. (Nichts für ungut mädels und jungs).

Dummheit und Unwissenheit sind (leider) zu Genüge auch bei uns über 18 Jährigen verbreitet und keinerlei Argument diese Personen von einer Mitbestimmung und Teilhabe an der Gesellschaft auszuschliessen. (Auch wenn man sich das heimlich wünscht).

Es trotzdem zu tun ist Diskriminierung in Reinstform. Sie findet in Klassenzimmern aber auch im gesamten öffentlichen Raum statt. Gesetze zum Schutz der Jugend erreichen oft das genaue Gegenteil. Ein Schutz vor dem "Komasaufen" oder den Drogen ist es offensichtlich nicht. Junge Menschen finden immer einen Weg (ich weiss das aus eigener Erfahrung).

Komasaufen wäre ebenso ein Thema gewesen um auf diesen Misstand hinzuweisen, genauso wie Jugendgewalt. Alle diese Erscheinungen können (auch) als Folge der Diskriminierung erklärt werden. Ein Versuch mit noch mehr Entrechtung darauf zu reagieren führt in einen Teufelskreis.

Ich rate allen Lesern nach den Zeichen der Diskriminierung der Jugendlichen Ausschau zu halten und sich den Blick aus der Ferne anzueignen. Ihr werdet sicher fündig.

Letztendlich müssen wir uns dazu durchringen jungen Menschen Selbstbestimmung und Teilhabe zuzugestehen, auch auf die Gefahr hin, dass einzelne junge Menschen evtl. dann zu schaden kommen. Das Lernen ist oft nur möglich wenn man Selbsbestimmt Fehler machen darf. Die Alternative sind potentiell weit verbreitete seelische Schäden (Psychozid) und ein Schaden an unserer Gesellschaft der kaum wieder gut zu machen ist.

Kommentare:

  1. Ich glaube, Sie haben recht. Vieles, was wir über Entwicklungen, Phänomenen und Verhaltensweisen der jungen Menschen in unserer Gesellschaft zu sehen, meist jedoch eher in Zeitungen zu lesen bekommen - denn wer setzt sich schon ernsthaft damit auseinander, in unserer egozentrierten, oberflächlichen Welt -, ist eine Reaktion auf die Welt, in der sie leben.

    Eingezwängt in ein Korsett von hohen Erwartungen und in ein enggewebtes Netz von Regeln, nehmen sie wahr, wie es um ihre Zukunftsperspektiven bestellt ist. Oft kommen sie wohl zum dem Schluss, dass es für sie gar keinen Platz gibt - jedenfalls keinen, auf dem sie sich entfalten und ihr Leben aufbauen können.

    Einige versuchen, die Erwartungen zu erfüllen - was teils Züge einer Selbstgeißelung annimmt, beispielsweise Magersucht, und nicht selten machen sie dann die Erfahrung, dass das alles trotzdem nicht reicht was mithin ein Grund für Depressionen ist. Andere resignieren oder verweigern sich einfach.

    Was ich jedoch vermisse, ist, dass diese jungen Menschen ihren Willen kund tun und sich aktiv für ihren Platz und ihr Recht, mitzuentscheiden, einsetzen.

    Ich habe es an der Universität, an der ich gelehrt habe, erlebt. Das Angebot, selbst Fragen zu formulieren, zu untersuchen und Antworten zu finden, die nicht irgendwo in den Büchern vorformuliert sind, wird von den meisten Studierenden nicht als Chance erkannt und freudig aufgegriffen. Nein, es wird nicht als für das eigene Fortkommen nützlich angesehen, sondern im Gegenteil als zu viel zu mühevoll. Die meisten möchten eine Fragestellung, ein Thema vorgesetzt bekommen, dass sie dann fleißig abarbeiten können, immer von der Sorge begleitet, ob getroffen wird, was der Dozent "hören" möchte.

    Selber denken - wie beispielsweise Georg Trappe es immer von erwachsenen Menschen fordert - wird nicht als interessante Alternative zum Auswendiglernen wahrgenommen. Widerspruch oder gar Protest, kommt für die meisten nicht infrage. Maximale Anpassung, dass scheint für viele die unausgesprochene Maxime zu sein.

    Ich kann im Moment nicht sagen, ob es in der Gruppe der aktuellen Teenager einen abweichenden Trend gibt. Ich fürchte jedoch, dass das nicht oder nur in geringem Umfang der Fall ist. Aber vielleicht kommt das ja noch, denn Arroganz, Entmündigung und Betrug tun weh. Es wäre zu wünschen.

    Viele Grüße
    SLE

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  2. Hallo Herr Eichner,

    Ich nehme an Sie unterrichteten im Volkswirtschaft oder Betriebswirtschaft. Es wundert mich nicht, dass bei den Studierenden dieser Fächer eine Vorauswahl stattfindet.

    Wie gesagt, vor allem diejenigen die ihre Instinkte unterdrücken können und still und gehorsam sind werden in unserem Schulsystem ohne Problem eine Hochschulreife erhalten.

    Wer sich selbstständiges Denken bewahrt hat, wird wahrscheinlich einen anderen Studiengang ergreifen. Ich fürchte, die Ökonomie hat in den Augen junger Menschen einen schlechten Ruf.

    Ich erinnere mich sehr genau an meine Studienzeit. Damals gab es einen Studentenstreik an dem sich alle Fakultäten beteiligten mit Ausnahme der Betriebswirtschaft.

    VWL und BWL werden als Berufsausbildung für Wirtschaftskarrieristen verstanden. Die wenigsten der Studenten sind wohl an echter Wissenschaft interessiert.

    Das ist natürlich sehr bedauerlich. Gerade in der Ökonomie benötigen wir dringend mehr Querdenker.

    Erst heute interessiere ich mich ausserordentlich für Volkswirtschaftslehre und stelle fest, dass ein breiteres Wissen über VWL in der Gesellschaft mehr als not tut. Um so mehr schätze ich ihren Blog.

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  3. Sie haben Recht, ich habe VWL gelehrt und ja, ich denke auch, dass in der Gesellschaft Kenntnisse über die Funktionsweise der Marktwirtschaft erheblich gestärkt werden müssen. Leider ist das ein Thema, bei dem jeder glaubt, er verstünde genug davon. Die Realität ist indes schlicht erschütternd. Aber was will man erwarten. Man schaue sich nur einmal an, wer in den politischen Parteien wirklich etwas von der Materie versteht.

    Gewiss hat es aber auch damit zu tun, dass das, was an den Unis in VWL gelehrt wird, die reale Wirtschaft offensichtlich nicht erklärt. Die Neoklassik wird immer kritischer gesehen, gerade auch von Studierenden - was gut ist. Nimmt man zudem Umfragen, so ist das Ansehen der VWL-Professoren in der Bevölkerung in der Krise massiv gesunken. Das hat nicht zuletzt auch damit zu tun, dass diese in der Politikberatung zudem scheinbar allzu oft das Prinzip der Wissenschaftlichkeit verletzen.

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